In der Kunst

In der Musik:

anw_musik_01Nicht wenige MusikerInnen haben sich – aus eigener leidvoller Erfahrung mit blockierten Schultern, Lampenfieber und einem insgesamt harten, professionellen Orchesteralltag und Musikbetrieb – mit der Feldenkrais-Arbeit beschäftigt und sie kreativ im eigenen Spiel bzw. Unterricht adaptiert. In vielen Musikschulen, Musikhochschulen und Orchestern ist mittlerweile die kinästhetische Wahrnehmungsschulung Teil des Arbeitsalltags geworden.

Eine ehemalige Konzertmeisterin, die wegen ‚fokaler Dystonie’ (auch ‚Musikerkrampf’ genannt) ihre Tätigkeit bei den Bamberger Symphonikern aufgeben musste, argumentierte auf dem 9.Europäischen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin’ in Freiburg 2003 für eine Stärkung dieser Tendenz und sagte: „Zehn Jahre Unterrichtstätigkeit als Geigendozentin an der Musikhochschule in Freiburg sowie meine Erfahrungen als Feldenkrais-Pädagogin bei der Arbeit mit anderen Berufsmusikern haben mich davon überzeugt, dass die Fähigkeit, kinästhetisch zu empfinden, eine wesentliche Hilfe darstellt zur Optimierung der Instrumentaltechnik.”

Die simple Aufforderung „Spielen Sie mit weniger Kraft!”, nützt meist ebenso wenig wie die Anweisung: „Entspannen Sie sich!”. Hier muss mit ‚neurologischer Diplomatie’ vorgegangen werden: sich hinlegen und ungewohnte Schulter-, Arm- und Fingerbewegungen ausführen, ihren Zusammenhang mit Rippen und Becken und bis zu den Füßen hinunter erspüren, die Atmung beobachten, in ungewöhnlichen Positionen einen Ball fangen oder Geige, Cello, Saxophon spielen…

So wird das reflexartige Muster des Greifens, Haltens und (Bogen- oder Atem-) Führens, das sich vielleicht über Jahre hinweg eingespielt hat, aufgelöst und die Freude am experimentellen und improvisatorischen Umgang mit sich und dem Instrument erneut geweckt.

„Es gibt vieles, was über die Begabung hinaus für die Kunst wichtig ist. Ich möchte die Handarbeit erwähnen, etwas, das leicht übersehen oder aber mystifiziert wird. Auf den ersten Blick mag dieser Aspekt unbedeutend erscheinen, in kreativen Berufen ist er dennoch entscheidend. … Bei Streichern sind es die Feinheit der Bogenführung, das variable Vibrato, geschickte Fingersätze, unmerkliche Übergänge, die Geläufigkeit: Die Krönung eines endlosen Lernprozesses… Nur diejenigen, die Herr ihres Handwerks werden, haben die Chance, Musik zum Schwingen zu bringen…” (Gideon Kremer)

In der darstellenden Kunst

“Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.” – Karl Valentins berühmter Aphorismus skizziert die alltägliche Bühnenarbeit höchst realistisch. Die darstellende Kunst ist ein hartes Handwerk. Ihre Ressourcen sind körperliche Geschicklichkeit, geistige Flexibilität und seelische Offenheit der Darsteller. Doch erst Bewusstheit macht aus begabtem Spiel, aus Inspiration und Leidenschaft – Kunst. Absichtslos forschen, nicht werten, die Entwicklung einer Bewegung beobachten, Muster erkennen, der Schwerkraft, also dem Konkreten folgen, – die methodischen Grundlagen der Feldenkrais-Stunden öffnen eine leicht zugängliche Meta-Ebene für die Rollenarbeit.
Tatsächlich kann man den ganzen Probenprozess wie eine Feldenkrais-Stunde betrachten: „Alles ausprobieren, alles Überflüssige weglassen – dann ist `ne Rolle fertig.“ (C., Schauspielschüler an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt/M.)

im Tanz

anw_tanz_01Mühsal, Schweiß und Schmerzen bis hin zu blutenden Füßen und Verletzungen scheinen zum Selbstverständnis von TänzerInnen zu gehören. Dabei wollen sie gleichzeitig eine Illusion von der scheinbaren Mühelosigkeit der Bewegung und der Überwindung der Schwerkraft erschaffen. Aufgerieben zwischen diesem steinigen Weg und dem hohen Ideal haben sie gelernt, über ihre körperlichen Grenzen zu gehen und die jahrelang gelebte Überzeugung „Ohne Schweiß keinen Preis” lässt sich nur schwer erschüttern. Um so größer ist das Erstaunen gerade bei TänzerInnen, wenn sie entdecken, dass das spielerische und mühelose Experimentieren mit den Feldenkrais-Lektionen zu einer neuen Leichtigkeit, Eleganz und Anmut führt.

„Direkt nach meinen ersten intensiven Erfahrungen mit der Feldenkrais-Methode, hatte ich zwei schwierige und viel beachtete Auftritte. Anstatt von morgens bis abends hart zu trainieren, war ich seit Tagen nur auf dem Boden gelegen und habe fast nichts gemacht. Ich hatte Angst alles zu vermasseln, doch es kam ganz anders. Noch nie war ich so gelassen und zugleich präsent auf der Bühne gestanden. Mein Gesichtsfeld war deutlich größer und ich konnte das gesamte Geschehen auf der Bühne klarer wahrnehmen als je zuvor. Obwohl mein Part sehr anspruchsvoll und akrobatisch war, habe ich ihn ohne jegliche Angst, mit Leichtigkeit und großer Spielfreude gemeistert. Seit ich mit der Feldenkrais-Methode arbeite, verletze ich mich nicht nur viel seltener als früher und kann Verletzungen schneller überwinden, sondern habe meine Qualitäten als Performerin wesentlich verfeinert”.

In der Bildenden Kunst

anw_kunst_01Von 1995-1998 wurde der aus Bundes- und Landesmitteln geförderte Modellversuch „Ästhetische Bildung“ an Schulen in Schleswig-Holstein durchgeführt. Hier wurde aufgezeigt, dass die Einbeziehung des Selbstempfindens sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung, Empathie und die gestalterische Ausdrucksfähigkeit auswirkt.
Durch Wahrnehmungsübungen – wie mit den Füßen stampfen oder Tastübungen mit verbundenen Augen ausführen, mit den Armen Schwingen oder Kreisen mit dem Becken – wird Alltägliches und „Banales” zur bewussten Erfahrung. Diese ermöglicht dann einen schöpferischen Prozess, der von der eigenen Sensibilität für Dinge und Beziehungen ausgeht. Sowohl die Welt der Objekte als auch die eigene Beziehung zu ihr wird als (veränderbarer) Prozess erlebt und gestaltet. So können Linien, Farben oder mit z.B. Ton gestaltete Formen einen deutlichen Selbstbezug ausdrücken und kreieren.

„Will ich eine Linie erleben, so muss ich die Hand bewegen, der Linie entsprechend, oder ich muss mit meinen Sinnen der Linie folgen, also seelisch bewegt sein. Endlich kann ich eine Linie geistig vorstellen, sehen, dann bin ich geistig bewegt.”… „Vor mir steht eine Distel. Meine motorischen Nerven empfinden eine zerrissene, sprunghafte Bewegung. Meine Sinne, Tast- und Gesichtssinn, erfassen die scharfe Spitzigkeit ihrer Formbewegung und mein Geist schaut ihr Wesen. Ich erlebe eine Distel.” (Johannes Itten)