In der Gesundheit

Im orthopädischen Kontext:

anw_gesund_01Sehr viele Menschen finden den Weg zu Feldenkrais, weil sie von chronisch gewordenen Hüft-, Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen geplagt werden oder nach Unfällen ihre ursprüngliche Beweglichkeit verloren haben. Nicht selten hat eine lange Odyssee sie durch die diversen Facharzt- und Krankengymnastikpraxen, Reha-Einrichtungen und Rückenschulen geführt, und dennoch leiden sie weiterhin an Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Da Feldenkrais-Praktizierende sich mit dem gesamten Menschen, seinem Nervensystem, Gewohnheiten und dem vorhandenen Potenzial (dessen, was gut geht) befassen, sind auch in diesen Fälle große Erfolge möglich. FeldenkraislehrerInnen helfen ihren SchülerInnen dabei, die Fixierung auf den schmerzenden Körperteil zu lösen und sich insgesamt wieder als zusammenhängenden, fließenden Organismus zu empfinden. Die nicht auf Intervention sondern auf Selbstheilung (genauer: Selbsterkenntnis des Nervensystems) zielende Feldenkrais-Arbeit stimuliert ein fast passiv anmutendes, neurologisch jedoch höchst aktives Geschehen. Dabei kommt es oft zu auch Fachleute überraschenden Ergebnissen.

Eine Klientin berichtet:

„Sehr früh in meinem Leben musste ich eine halbjährige Spritzenkur beim Orthopäden machen. Wirbelsäule, Hüftgelenke und einige andere Knöchelchen waren (amtlich bestätigt) lädiert. Trotz Medikamenten und Spritzen erlebte ich große Bewegungseinschränkungen und öfters auch starke Schmerzen; außerdem riet man mir zu einer Operation der Hüftgelenke.

Irgendwann stieß ich auf Feldenkrais und ging, mein linkes Bein leicht nachziehend, zu einem Kurs mit dem etwas befremdlichen Namen „Bewusstheit durch Bewegung”.

Als erstes verschwand mein leichtes Hohlkreuz. Dann waren nach einer Feldenkrais-Lektion meine Beine plötzlich ausgeglichen, obwohl ich bis dahin doch mit einem kürzeren linken Bein gelebt hatte. Kaum zu fassen: ich war gerade! Seither habe ich das Empfinden, als hätten sich meine Beine anders „eingehängt”. Wann ich zum letzten Mal beim Orthopäden war, weiß ich nicht mehr.”

Im psychotherapeutischen und psychosomatischen Kontext

anw_psych_01Die Prinzipien der wertneutralen Beobachtung seiner selbst und der Aufmerksamkeit für den Moment kommen dem Ziel psychotherapeutischer Arbeit sehr nahe: Feldenkrais-Klienten müssen nichts ‚können’, sie brauchen sich weder ständig mit dem Können anderer zu vergleichen, noch tun sie, was sie hier tun, um jemand anderen als sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Erfahrung, durch das Gegenteil von Anstrengung zu einer neuen ‚Leichtigkeit des Seins’ kommen zu können, kann schließlich in den sozialen Alltag integriert werden: mehr Achtsamkeit mit sich selbst lässt schneller erkennen, ob und wie eine Situation gemeistert werden kann. Sie führt zu einer klareren Wahrnehmung eigener Interessen und Grenzen und zu einem flexibleren Reagieren im sozialen Kontext.

Tatsächlich wird Feldenkrais auch im psychosomatischen Kontexten gezielt eingesetzt. So schreibt Prof. Dr. Dr. med. Stephan Ahrens, Chefarzt der Leiter der Psychosomatischen Abteilung des Akademischen Lehrkrankenhauses der Universität Hamburg über die dortigen Erfahrungen mit der Feldenkrais-Methode: „Diese Erfahrungen waren so positiv, dass mir heute ein klinisch-psychosomatisches Angebot ohne diese Behandlungsmöglichkeit kaum sinnvoll erscheint.”

Mit Menschen, die von Multipler Sklerose betroffen sind

MS-Betroffenen kann oft wirksam geholfen werden. Hierfür wird das weiterhin bereit stehende Potenzial der Klienten genutzt, ihre Aufmerksamkeit zu lenken und ohne Vorurteil die vorhandenen Fähigkeiten zu spüren und evtl. wieder auszuweiten. Dadurch wird das eigene Körperbild derart beeinflusst, dass – je nach Ausprägung der Krankheit – mit Verbesserungen im Gleichgewicht und in der Fein- und Grobmotorik (Sprechen, Greifen, Gehen) gerechnet werden kann.

Viele Spezialkliniken sowie mehrere Landesverbände der Deutschen Multiplen Sklerose-Gesellschaft bieten seit Jahren Kurse in der Feldenkrais-Methode an.

Frau G., Anfang Dreißig und seit drei Jahren von MS betroffen, sitzt seit einiger Zeit im Rollstuhl und beschreibt ihre Erfahrung mit der Funktionalen Integration.

„Zuerst konnte ich nur mit viel Muskelkraft und Konzentration frei aufrecht sitzen. Nach der ersten Stunde war es leicht geworden: ich saß wie von selbst, es fühlte sich an, wie wenn das Skelett plötzlich weiß, wie man richtig und natürlich aufrecht sitzt. Nach der zweiten Stunde fiel mir besonders das angenehme Gefühl im ganzen Körper auf, wie ein Kribbeln zeigte es meine Lebendigkeit an, drückte Aufmerksamkeit und Bewusstwerdung aus..

Nach jeder Stunde kann Frau G. (gestützt) besser gehen, fühlt sich sicherer und leichter und braucht weniger Kraft dafür. Zwar gibt es immer wieder ‚Rückfälle’, was ihre Stimmung und einzelne Fertigkeiten anlangt. Insgesamt aber hilft ihr das neue Körperwissen zu einer größeren Annahme dessen, was gerade ist und zu einem gewissen Optimismus, dass immer wieder Verbesserungen erreicht werden können.

Für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma

anw_trauma_01Seit 1995 arbeitet eine Feldenkrais-Praktizierende im Therapie Zentrum Burgau, einer Einrichtung zur Rehabilitation von Menschen mit schweren erworbenen Hirnschädigungen, mit der Feldenkrais-Methode. Nach ihrer Erfahrung wird gerade in der Arbeit mit diesen Menschen die Neuvernetzung des Nervensystems durch die Anwendung der Feldenkrais Methode® sehr deutlich. Verbesserungen zeigen sich im Bereich der meist stark gestörten Bewegungssteuerung, der Orientierung, der Sprache, sowie in dem zunehmenden Verständnis für alltägliche Handlungen und soziale Situationen. Auch beim Wiederaufwachen aus dem Koma sind deutliche Effekte zu erkennen.